Freistehen im Van – unsere Erfahrungen nach 3 Jahren unterwegs
Als wir vor drei Jahren losgefahren sind, hätten wir nie gedacht, dass wir irgendwann fast jede Nacht frei stehen würden.
Am Anfang suchten wir oft Campingplätze – aus Unsicherheit, aus Routine und manchmal auch einfach, weil wir uns ein paar Tage ausruhen wollten.
Mit der Zeit kam das Vertrauen. Die Erfahrung. Und dieses feine Gefühl dafür, wo es sich gut anfühlt zu stehen – und wo nicht.
Aber eines haben wir schnell gelernt:
👉 Man darf nie zu sicher werden.
Genau dann, wenn man denkt, man kennt das alles schon, wird man nachlässig. Und das ist der Moment, in dem es gefährlich werden kann.
🏕️ 90 % frei gestanden – aber immer mit Respekt
Während unserer dreijährigen Reise haben wir rund 90 % der Nächte frei gestanden.
Kein bewachter Platz, kein Camping – einfach irgendwo in der Natur oder an einem besonderen Ort.
Anfangs war das ein komisches Gefühl:
Zwei Frauen allein im Van, irgendwo am Rand einer Straße oder an einem See. Doch mit jedem Kilometer wuchs das Vertrauen in uns selbst.
In Europa standen – je nach Saison – oft andere Vans in der Nähe. Über Park4Night fanden wir Plätze, an denen sich mehrere Reisende trafen. Das gab vor allem am Anfang ein zusätzliches Sicherheitsgefühl.
Trotzdem bleibt Freistehen immer ein kleines Abenteuer.
Jede Nacht ist anders.
🗺️ Neue Länder, neues Gefühl – Freistehen außerhalb Europas
Was wir unterwegs besonders gelernt haben:
In jedem neuen Land braucht es zuerst ein Gefühl für die Menschen, die Kultur und die Regeln – vor allem, wenn es ums Freistehen im Van geht.
Deshalb bleiben wir in neuen Ländern oft zunächst ein paar Tage auf einem Campingplatz oder einem privaten, bewachten Stellplatz. Dort kommt man mit Einheimischen ins Gespräch, lernt die Mentalität kennen und erfährt, was erlaubt ist – und was besser nicht.
Gerade außerhalb Europas zeigt sich schnell, dass Campingplätze und bewachte Stellplätze deutlich seltener sind. Abseits touristischer Regionen bleibt einem oft nichts anderes übrig, als frei zu stehen. In vielen Ländern gibt es zudem kaum Einträge auf Park4Night oder iOverlander, sodass man sich nicht auf Apps verlassen kann, sondern selbst entscheiden muss, wo man sicher stehen kann.
Erst wenn wir ein Gefühl für das Land entwickelt haben, beginnen wir bewusst mit dem Freistehen außerhalb Europas – mit Respekt, Aufmerksamkeit und einem offenen Blick für unsere Umgebung.
🌅 Unsere wichtigsten Regeln für sichere Schlafplätze
Diese Regeln haben uns über drei Jahre begleitet – und sie haben sich bewährt:
✔️ Immer im Tageslicht ankommen
So bekommen wir ein Gefühl für Umgebung, Menschen und Stimmung.
Im Dunkeln entscheiden wir nie über einen neuen Schlafplatz.
✔️ In Städten lieber bewachte Plätze
Großstädte bergen mehr Risiken. Ein bewachter Parkplatz ist günstiger als eine schlaflose Nacht.
✔️ Bauchgefühl geht vor
Wenn eine von uns ein ungutes Gefühl hat, fahren wir weiter – egal wie spät oder müde wir sind.
Unser Bauchgefühl hat uns noch nie getäuscht.
✔️ Abgelegene Orte sind oft sicherer
Allein in der Natur zu stehen fühlt sich oft ruhiger und sicherer an als überfüllte Parkplätze.
✔️ Handyempfang prüfen
Bevor wir bleiben, checken wir den Empfang. Im Notfall ist das entscheidend.
✔️ Fluchtweg frei halten
Wir parken so, dass wir jederzeit losfahren können – am besten bereits in Fahrtrichtung.
Wenn es brenzlig wird, bleiben die Keile halt liegen.
✔️ Nicht sofort öffnen, wenn jemand klopft
Erst überlegen, kurz austauschen – dann entscheiden.
Fühlt es sich komisch an: Motor starten und wegfahren.
✔️ Polizei? Erst Ausweis zeigen lassen
Immer zuerst den Dienstausweis durchs Fenster zeigen lassen.
✔️ Licht & Kameras zusätzliche Sicherheit
Auf öffentlichen Parkplätzen bevorzugen wir beleuchtete Bereiche oder Überwachungskameras.
🚗 Wenn die Nacht plötzlich lebendig wird
Oft standen wir abends allein – und dachten, das bleibt so.
Später merkten wir, dass unser ruhiger Platz ein Treffpunkt für Jugendliche war: Musik hören, quatschen, kiffen, knutschen oder einfach rumhängen.
Das war manchmal unangenehm, vor allem wenn mehrere Autos auftauchten.
Aber meistens interessierten sich die Leute gar nicht für uns.
Wir erinnern uns dann immer daran:
👉 Wir sind Gäste.
Wir schlafen auf ihrem Land, in ihrem Dorf, auf ihrem Boden.
Freistehen bedeutet auch, Toleranz zu lernen – solange wir sicher schlafen dürfen, ist vieles okay.
💬 Unser Fazit
Wir haben viele Orte erlebt:
ruhige, laute, magische – und ein paar, die wir schnell wieder verlassen haben.
Mit unseren Regeln und etwas gesunder Vorsicht ist uns nie etwas Schlimmes passiert.
Sicherheit bedeutet, aufmerksam zu bleiben, einander zu vertrauen und auf das eigene Gefühl zu hören.
👉 Tipp für dich
Wenn du als Frau mit dem Van reist:
-
hör auf dein Bauchgefühl
-
spare nicht am falschen Ort
-
bleib offen, neugierig – aber wachsam
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, trotzdem loszufahren.
Mehr Erfahrungen, Tipps und persönliche Beratung für Vanlife-Reisende findest du bei uns unter Beratung & Reisetipps.






